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Ungarn


Geschichte von Ungarn

  1. Geschichte
  2. 9. bis 15. Jahrhundert
  3. 16. bis 19. Jahrhundert
  4. 1900 bis 1945
  5. 1945 bis 1989
  6. Ungarn heute

 Infomationen über Ungarn

  1. Geografie
  2. Flüsse und Seen
  3. Ungarns Klima
  4. Flora/Fauna
  5. Kunst und Kultur
  6. Tourismus
  7. Balaton / Plattensee
  8. Dörfer Ungarns
  9. Städte Ungarns


Geschichte

Geschichte vor dem 9. Jahrhundert: Ungarn ist ein Vielvölkerstaat, was es seiner langen und wechselvollen Geschichte zu verdanken hat. So stammen die Vorfahren eines Großteils der Ungarn beispielsweise aus dem Ural-Gebiet, wo sie aus einer großen Ur-Gesellschaft, den obugrischen Völkern, hervorgingen.
Die Völkergemeinschaft der Uralvölker löste sich etwa um 4000 vor Christus auf, die dabei entstandene finnougrische Gesellschaft etwa um 2000 vor Christus. Die Ugrier, Ungarns Urväter, blieben zu dieser Zeit im Westen Sibiriens zurück, während andere Stämme weiter westwärts wanderten. Sie wurden sesshaft, betrieben Ackerbau und begannen sogar mit der Pferdezucht.


Um etwa 1000 vor Christus spalteten sich die Magyaren, die Ungarn also, von den Ugriern ab. Ihre Umwelt veränderte sich, das Klima veränderte sich. Deshalb wanderten die verbliebenen Ugrier nach Norden, die Magyaren blieben vorerst als Nomaden in ihrem Siedlungsgebiet. In dieser Zeit bildete sich so etwas wie ein Selbstbewusstsein der Magyaren heraus, es entstand eine Identität, eine Kultur. Die Begegnung mit den iranischen Völkern der Skythen und Sarmaten etwa 500 vor Christus im südlichen Ural verlief vermutlich friedlich und bereicherte beide Kulturen. Aus dieser Zeit soll auch eine Sage stammen, die heute jedes ungarische Kind als die Sage von Hunor und Magor kennt. Im Prinzip erzählt sie von der (angeblichen) Verwandtschaft der Magyaren mit den Hunnen. Die Völker waren tatsächlich nicht miteinander verwandt, ihre (angebliche) Verbindung ist aber zum Beispiel der Grund, warum der Name Ungarns in vielen anderen Sprachen immer mit H (Hungary, l'Hongrie,…) beginnt und warum Attila bis heute ein gern vergebener Name in Ungarn ist.

Etwa um 500 nach Christus wanderten die Magyaren in Richtung Westen und verließen ihr Siedlungsgebiet im Südosten des Urals. Über die Gründe ihrer Wanderung kann nur spekuliert werden, die Wanderung selbst scheint jedoch belegt. Relativ sicher ist, dass sie etwa um 800 nach Christus ein Gebiet namens Levedien unweit des Schwarzen Meeres erreichten. Dort unterwarfen sie sich den herrschenden Chasaren bzw. deren Khan und wurden erneut sesshaft. Byzantinische Quellen aus dem 10. Jahrhundert belegen, dass die Magyaren zu dieser Zeit eine Art Doppelfürstentum besaßen. Das Volk der Magyaren bestand zu dieser Zeit aus 7 Stämmen: den Jen, Kér, Keszi, Kürtgyarmat, Nyék, den Megyer und den Tarján.

 

9. bis 15. Jahrhundert


Schon lange bevor die Magyaren das heutige Ungarn erreichten, war das Land in Besitz der unterschiedlichsten Herrscher und Kulturen.
Das iranische Volk der Skythen und die Kelten siedelten bereits im Karpatenbecken, als das römische Reich auf diesen Landstrich aufmerksam wurde. Pannonien, das sich über Teile des heutigen Ungarn, Österreich, Serbien, Slowenien und Kroatien erstreckte, fiel in mehreren Kriegen an das Römische Reich. Es wurde römische Provinz, Roms Eisenproduzent und Erholungsort römischer Bürger. Dafür profitierte es von allen Vorteilen einer römischen Provinz, angefangen vom Bau diverser Zentralheizungen und Thermen über die Aufwertung und Restauration von Gebäuden bis hin zum römischen Recht und der Verbreitung der Schrift.
Im 4. Jahrhundert trat Rom die Herrschaft über Pannonien an die Hunnen ab. Nach dem Tod des legendären Hunnenkönigs Attila im 5. Jahrhundert zerfiel das Hunnenreich aber relativ rasch und es folgten erbitterte Machtkämpfe zwischen ansässigen Ostgoten, Langobarden und Awaren. Als die Magyaren das Gebiet im 9. Jahrhundert erreichten, siedelten dort vorwiegend Slawen.

Die Magyaren lebten bis zum 9. Jahrhundert unter den Chasaren in Levedien, unter denen es in dieser Zeit zu Unruhen kam. Die Magyaren stellten sich dabei gegen die Chasaren, aber der Aufstand scheiterte und viele Aufständige flüchteten zu den Magyaren. Für die war die Situation alles andere als sicher, der einzige Ausweg hieß: Flucht. Auf ausgedehnten Streifzügen hatten sie sich mit anderen Völkern wie den Byzantinern verbündet und flüchteten nun Ende des 9. Jahrhunderts unter der Führung ihres Großfürsten Árpád in Richtung der Karpaten. Nach weiteren Kämpfen mit anderen Stämmen besiedelten die Magyaren das Karpatenbecken. Ab 899 herrschten die Magyaren über ganz Pannonien.

Das erste ungarische Königreich geht auf Stephan I. zurück, der die magyarischen Stämme christianisierte und nach karolingischem Vorbild sowie gegen den heftigen Widerstand der Stammesfürsten im Jahr 1000 einigte. Bis zur Staatsgründung machten die Magyaren als Unruhestifter in ganz Europa von sich reden: Feldzüge bestimmten die Außenpolitik, Bereicherungen, Landnahme. Bei ihren Raubzügen waren sie äußerst erfolgreich, was wahrscheinlich sowohl auf ihr kriegerisches Geschick als auch auf die Machtkämpfe unter den Gegnern zurückzuführen war.

Außenpolitisch musste sich das neu gegründete Reich erstmals 1030 gegen das römisch-deutsche Kaiserreich bewähren, die Gefahr kam jedoch auch von innen: der Hochadel hatte sich keineswegs mit seiner Entmachtung abgefunden und so musste der ungarische König, der ab 1102 auch König von Kroatien war, viele Machtproben bestehen, die ihren Höhepunkt im 13. Jahrhundert fanden.

Im 13. Jahrhundert sah sich das Königreich dem "Mongolensturm" gegenüber. Die Mongolen verwüsteten und entvölkerten dabei breite Landstriche. In der Konsequenz holte der damals regierende König Béla IV. deutsche Siedler ins Land, die im Siebenbürgen und der heutigen Slowakei angesiedelt wurden.

Andreas III., der letzte aus der Linie der Árpád, starb im Jahr 1301. In den Jahren 1370-1386 und 1440-1444 oblag die Regierung Ungarns den Anjou und den Jagiellonen. Sigismund von Luxemburg und Matthias Corvinus brachten Ungarn gegen Ende des Mittelalters zur Blüte. Ungarn wurde nicht nur zur politischen Großmacht, sondern auch zum Zentrum der Renaissance und des Humanismus.
Die polnisch-litauischen Jagiellonen regierten in Personalunion mit Böhmen das Reich, bis es nach der Schlacht bei Mohács 1526 an die Osmanen unter Süleyman den Prächtigen fiel.



 
16. bis 19. Jahrhundert

Sobald die Schlacht bei Mohács 1526 gewonnen war, überließen die Osmanen den ungarischen Thron den Habsburgern. Bis zum Jahr 1541 trennte sich das Fürstentum Siebenbürgen in einem Bürgerkrieg von Ungarn, stand aber wie auch die mittelungarischen Gebiete unter türkischer Oberherrschaft. Das heutige Ungarn war 1541 von den Türken besetzt und zur Provinz des Osmanischen Reichs erklärt worden.

Die Aufteilung des ehemaligen ungarischen Königreiches unter den Türken und den Habsburgern verkleinerte das Staatsgebiet Ungarns ungemein: unter der Bezeichnung "Königliches Ungarn" gehörten Teile des einst so großen und mächtigen Staates nun zu Wien und waren zu einer Provinz degradiert worden. Formal wurden von nun an die Habsburger Herrscher als ungarische Könige gekrönt.
Hinter den Kulissen kam es jedoch immer wieder zu erbitterten Kämpfen zwischen den Türken und den Habsburgern um die Oberhand in Ungarn. Die Auseinandersetzungen endeten damit, dass das Haus Habsburg die von den Türken besetzten Gebiete bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurückeroberte.
Innenpolitische Spannungen traten im 18. Jahrhundert auf, als sich die Ungarn im Kuruzenaufstand 1703-1711 gegen die harte politische Hand der Habsburger zur Wehr setzten. Nach einer kurzen Zeit der Ruhe erwachte jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts das Nationalbewusstsein der Ungarn, was neue Unruhe und Aufstände hervorrief: das Ungarische ersetzte zum Beispiel das Lateinische als Staatssprache, 1848 folgte eine Revolution, in deren Verlauf die Entthronung des Hauses Habsburg und die Unabhängigkeit Ungarns verkündet wurde. Auf diesen Affront folgten blutige Kämpfe, Unterdrückung und die Hinrichtung der Revolutionsführer.

Erst unter Franz Joseph I. erfolgte der Ausgleich der Habsburger mit Ungarn und verbunden damit eine Stärkung der Position von Ungarn in der k.u.k. Doppelmonarchie. Maßgeblich daran beteiligt war Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, die den Ausgleich auch gegen den ausdrücklichen Willen Ihrer Schwiegermutter und des Großteils des Adels durchsetzte. Das ungarische Volk dankte es ihr mit einer bis heute andauernden Verehrung.


 
1900 bis 1945

Nach Ablauf der Frist, die im Ausgleich festgesetzt worden war, wurde Ungarn 1918 zunächst als demokratische Republik wieder errichtet. Ihr erster Präsident war Mihály Károlyi. Allerdings wurde Ungarn nach dem 1. Weltkrieg als Nachfolgestaat der k.u.k. Monarchie angesehen und wurde dementsprechend zur Zahlung von Reparationen verpflichtet - eine große Belastung für die junge Republik. Dem damaligen politischen Trend folgend versuchte man auch im Ungarn von 1919, eine Räterepublik nach russischem Vorbild aufzubauen. Nach dem Scheitern des Versuchs war ein deutlicher Ruck hin zu einem konservativen, autoritären Staat spürbar.
Trotz allem war Ungarn zumindest offiziell noch eine Monarchie, die vom Reichsverweser Miklós Horthy regiert wurde. Die Reparationszahlungen wurden auf 33 Jahre Abzahlungsdauer angesetzt, Ungarn verlor einen Großteil seines Staatsgebietes und musste sein Heer auf 32.000 Mann beschränken.


Wirtschaftliche Krisen und geschickte Propaganda führten zur politischen Annäherung Ungarns an die Nationalsozialisten Deutschlands und zur Teilnahme des Landes am Zweiten Weltkrieg.
War die Begeisterung darüber 1941 noch groß, entdeckten Teile der ungarischen Regierung doch bald ihr schlechtes Gewissen und nahmen Kontakt mit den Alliierten auf. Daraufhin wurde nun Ungarn 1944 von deutschen Truppen besetzt und eine neue, Nationalsozialisten-freundliche Regierung unter Döme Sztójay gebildet. 

Die Folgen waren grausam: Eilgesetze entrechteten alle Juden vollständig, die ihrerseits nun massenhaft in die Vernichtungslager deportiert wurden. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden mehr als 437.000 Menschen in den sicheren Tod geschickt, bis Reichsverweser Horthy im Juli 1944 die Deportation aufgrund von Protesten aus dem Ausland vorerst einstellen ließ.
Das war auch für Horthy das politische Aus in Nazi-Deutschland: Mitte Oktober wurde er gestürzt, die Macht übernahm die faschistische Bewegung der Pfeilkreuzler.

Da das Zugnetz die Massen an Deportierten, die ab diesem Zeitpunkt verbracht wurden, nicht mehr bewältigen konnte, kamen Tausende bei Todesmärschen ums Leben. Aber auch wer im Ghetto in Budapest blieb, war seines Lebens nicht sicher.

Im Oktober 1944 wurden Teile Ungarns bereits von der Roten Armee besetzt. Bis Anfang Februar wurde die ungarische Hauptstadt durch sowjetische Streitkräfte belagert, die versuchten, die eingeschlossenen deutschen und ungarischen Truppen zum Aufgeben zu zwingen. Ergebnis dieser Strategie waren große Zerstörungen in Budapest, die Tötung von 38.000 Zivilisten und die Sprengung sämtlicher Brücken der Stadt.
Am 18. Januar 1945 wurde nun auch das Budapester Ghetto von der Roten Armee befreit. Die letzten Kampfhandlungen in Ungarn fanden am 4. April 1945 statt.



 
1945 bis 1989

Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Ungarn zur russischen Besatzungszone. Zunächst war die Erarbeitung einer demokratischen Verfassung für Ungarn vorgesehen worden. Die Kommunisten, durch eine politische Niederlage angestachelt, begannen jedoch, die Macht an sich zu reißen und bestehende Parteien aufzulösen. Die Wahl war angesichts einer einzigen teilnehmenden Partei eine Farce, schon bald war beschlossen, dass Ungarn eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild bekommen sollte. Unter Mátyás Rákosi verfolgte der Staat von 1948 bis 1953 einen extremen, stalinistisch geprägten Kurs. Ähnlich wie auch in der späteren DDR waren Schau- und Geheimprozesse in Ungarn an der Tagesordnung. Auch hier gab es eine Staatssicherheit, die ÁVH, die sowohl gegen offensichtliche "Feinde" als auch gegen Kommunisten vorging. Die stalinistische Ära in Ungarn endete vorerst 1953 mit dem Tod Stalins. Das war die Chance, auf die Imre Nagy gewartet hatte: als Ministerpräsident strebte er fortan Liberalisierung an. Aber schon 1955 wurde er durch die Parteispitze entmachtet, was innenpolitische Unruhen zur Folge hatte. Im Jahr 1956 schließlich wurde Nagy im Laufe eines Volksaufstandes erneut zum Ministerpräsidenten ernannt. Der Aufstand allerdings wurde mit Hilfe der sowjetischen Armee blutig niedergeschlagen. Nach dem gescheiterten Volksaufstand verließen mehr als 200.000 Ungarn ihr Land, viele aus Angst, fast alle auf der Suche nach Frieden und Freiheit.
Wer es nicht rechtzeitig schaffte, das Land zu verlassen, dem erging es wie Nagy: er wurde hingerichtet.

János Kádár, neuer Parteichef, ehemaliger Stellvertreter Nagys und der Organisator der sowjetischen Intervention beim Volksaufstand übernahm die Leitung der Staatsgeschäfte von 1956 bis 1988. Allerdings setzte er ab 1968 in wirtschaftlichen Bereichen auf eine abgemilderte Form des Sozialismus, der auch Raum für privatwirtschaftliche Elemente ließ. Bekannt wurde diese Art des "milden Kommunismus" unter der Bezeichnung "Gulaschkommunismus".

Das Jahr 1988/89 markiert einen weiteren wichtigen Wendepunkt in Ungarns Geschichte. 1988 wurden erstmals Oppositionsgruppen toleriert, der Wirtschaftsreformer Miklós Németh übernahm das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten.
Bereits im Mai 1989 begann Ungarn damit, die in die Jahre gekommenen Grenzanlagen zu Österreich aus ökonomischen Gründen abzubauen. Diese Entscheidung wird heute als erste offizielle Öffnung des Eisernen Vorhangs gewertet, ein Schritt, der eine ganze Reihe von Ereignissen ins Rollen bringen sollte. 
Einmal mehr hatte Ungarn seinen Beitrag zur Weiterentwicklung Europas geleistet. Noch im gleichen Jahr fiel die Berliner Mauer, das Sinnbild für den Eisernen Vorhang schlechthin. Der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten stand nichts mehr im Weg. Aber auch Ungarn profitierte von dieser Entwicklung: auch hier wurde der Kommunismus zu Fall gebracht und der Weg zu einem demokratischen Regierungssystem geebnet. Am 23. Oktober 1989 wurde die dritte ungarische Republik ausgerufen.


 
Ungarn heute

Seit dem 23. Oktober 1989 ist Ungarn eine demokratische und parlamentarische Republik. Die erste Regierung dieser Republik setzte sich aus Volksvertretern der Parteien Ungarisches Demokratisches Forum (MDF), Unabhängige Partei der Kleinen Landwirte (FKGP) und Christlich-Demokratische Volkspartei (KDNP) zusammen. Erster Ministerpräsident dieser dritten ungarischen Republik wurde József Antall, damaliger Vorsitzender der MDF.

Von Anfang an hatte sich die Republik Ungarn zum Ziel gesetzt, die (freie) Marktwirtschaft zu etablieren und das Land in die Europäische Union zu integrieren.

Etappen hierzu bildeten :
  1. der Austritt aus dem Warschauer Pakt 1990
  2. die Wahl des ersten Staatspräsidenten Árpád Göncz im gleichen Jahr
  3. der Abzug der sowjetischen Trupppen 1991
  4. sowie die Mitgliedschaft in der Partnerschaft für den Frieden und der Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union 1994.
Im Jahr 1998 begannen die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Im selben Jahr beantragte Ungarn auch die Mitgliedschaft in der NATO.

Bei der Volksabstimmung über den Beitritt des Landes zur Europäischen Union im Jahr 2003 sprachen sich 83,8% der Wähler für den Beitritt aus. In der Folge wurden 2003 die Beitrittsverträge unterzeichnet; seit dem 1. Mai 2004 ist Ungarn offiziell Mitglied der Europäischen Union.
Somit hat Ungarn seine politischen Ziele, die es sich selbst bei der Staatsneugründung steckte, erfüllt: die Umstellung auf eine freie Marktwirtschaft ist ebenso geglückt wie der Beitritt zur EU.



 
Geografie Ungarn

Die Republik Ungarn mit ihren 10,05 Mio. Einwohnern ist geprägt durch zwei weitläufige Tiefebenen, die mehr als die Hälfte des Landes einnehmen. Diese Ebenen werden begrenzt durch die Flüsse Theiß und Donau. Die Donau bildet dabei auch einen Teil der Grenze zwischen dem Norden Ungarns und der Slowakei. Im Nordosten liegt die Ukraine, im Osten Rumänien, der Süden grenzt an Serbien und Kroatien und im Südwesten befinden sich die Grenzen zu Kroatien und Slowenien. Die Grenze zu Österreich findet sich im Westen. Allein auf die Grenze zur Slowakei entfallen 515 km der 2009 km langen ungarischen Außengrenze.

Das mitteleuropäische Land Ungarn ist mit 93.036 km² etwa so groß wie Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Aufgrund seiner Binnenlage ist es keinen direkten Meereseinflüssen ausgesetzt. Gebirge wie die Alpen oder die Karpaten in den angrenzenden Staaten schirmen Ungarn von feuchten Luftmassen weitgehend ab, so dass hier ein relativ trockenes, kontinentales Klima zu finden ist. Das bedeutet, die Winter können kalt und trocken, die Sommer sehr heiß und trocken werden. Der wenige Regen fällt vorrangig im Frühsommer. Die beste Zeit für einen Trip nach Budapest ist dementsprechend entweder das Frühjahr oder der Herbst. Im Sommer zieht es viele Gäste und Einheimische zu einem der vielen Thermalbäder oder an einen der ungarischen Seen, die relativ flach und deshalb im Sommer verhältnismäßig warm sind.


 
Klima Ungarn

Ungarn ist ein Land der Gegensätze. Dies zeigt sich nicht nur durch die unterschiedlichen Landschaften und Gewohnheiten, sondern vor allem auch durch das Klima. Die Besonderheit an Ungarns Klima liegt daran, dass das Land aus drei großen Klimazonen besteht, und ein mitteleuropäisches bis kontinental europäisches Klima hat.
  1. Im Nordosten beispielsweise herrscht ein kontinentales Klima
  2. im Westen dagegen bestimmen atlantische Einflüsse das Klima
  3. im Südwesten herrscht ein mediterranes Klima.
Typisch für das ungarische Klima sind die angenehmen Frühjahrsmonate, die heißen und trockenen Sommer, die milden Herbstmonate und die kalten Winter.
Somit können im Sommer Temperaturen bis 32° erreicht werden und im Wintertemperaturen von -10°. Die beste Reisezeit für einen Urlaub ist die Zeit von April bis Oktober. Der Frühling wird in Ungarn hauptsächlich durch viel Regen bestimmt, denn dies ist die regenreichste Zeit im ganzen Jahr. In dieser Zeit liegt die mittlere Niederschlagsmenge etwa bei 800 Milliliter pro Quadratmeter.
Dabei nehmen die Niederschläge am besten nach Osten ab, da im Westen häufiger Westwinde vorherrschen, die den Regen mitbringen.
In Ungarn beginnt der Sommer erst sehr spät und die Witterungsbedingungen Ungarns können von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein, was dazu führen kann, dass ich auch die Jahreszeiten innerhalb kurzer Zeit ändern können. Dies steht im Zusammenhang mit den Klimaveränderungen.


Die Sommer sind in Ungarn hauptsächlich warm und trocken, die Winter hingegen kalt. Die wärmsten Monate des Jahres sind der Juni, der Juli und der August. In diesen Monaten herrschen tagsüber Temperaturen zwischen 26 bis 30°. Auch die Nächte sind mit 15 bis 18° sehr angenehm. Der sonnenreichste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 10 Sonnenstunden am Tag, also beste Voraussetzungen für einen schönen Badeurlaub.
Der Plattensee hat in diesen Monaten eine Wassertemperatur von 28°. Ungarn hat in einem Jahr etwa 2000 Sonnenstunden und die Sommermonate sind meist wärmer als in Deutschland.

 


Flüsse und Seen

690 km² der 93.030 km² Landesfläche von Ungarn entfallen auf Gewässer des Landes. Sicher eines der bekanntesten dieser Gewässer ist die Donau, auch Duna genannt, die einen Teil der Grenze zur Slowakei bildet. Bei Visegrád vollführt der längste Fluss Ungarns eine Wendung um 90°, um von da ab von Norden nach Süden zu fließen. Auf ihrem Weg nach Serbien durchquert die in Deutschland entspringende Donau neben Komárom, Esztergom und Baja auch die ungarische Hauptstadt Budapest.

Neben den Flüssen Drau (Dráva), Hernád, Mur und Raab (Rába) soll auch der zweitwichtigste Fluss Ungarns, die Theiß, nicht unerwähnt bleiben. Wie alle größeren Flüsse des Landes entspringt auch die Tisza, wie sie von den Ungarn genannt wird, nicht auf ungarischem Staatsgebiet. Viel mehr windet sie sich durch Ihr Ursprungsland, die Ukraine, und durchquert Ungarn, bevor sie sich unterhalb der serbischen Stadt Novi Sad mit der Donau vereinigt. Die Theiß ist übrigens nicht nur der zweitlängste Fluss Ungarns und der längste Nebenfluss der Donau - die Theiß war auch lange der fischreichste Fluss Europas.
Umweltverschmutzung in großem Ausmaß hat jedoch dazu geführt, dass viele Fischbestände dezimiert und viele andere Wasserbewohner vertrieben wurden.

Im Jahr 1970 wurde die Theiß in der Puszta-Ebene angestaut, um das gefürchtete Theiß-Hochwasser aufzufangen. Der künstliche See erstreckt sich über eine Fläche von etwa 127 km². Allerdings ist er nur ungefähr 2-2,5 Meter tief und erwärmt sich in den Sommermonaten rasch. Am Ufer des Sees liegende Orte wie Karcag, Beregfürd oder Tiszaval leben heute vom Tourismus: vor allem ungarische Urlauber betrachten den Theiß-See als willkommene Alternative zum von Touristen überlaufenen Plattensee.

Der Plattensee, bei uns auch unter seinem ungarischen Namen Balaton bekannt, liegt im Westen Ungarns, wo die Landschaft etwas hügeliger und fruchtbarer ist. Er ist der größte See Mitteleuropas. Das 79 km lange und 7,8 km breite Gewässer ist mit seinen Stränden und Thermalquellen neben Budapest der Touristenmagnet schlechthin. Frisches Wasser erhält der Plattensee übrigens über seinen "kleinen Bruder", den Kis-Balaton. Dieser "Kleine Plattensee" gehörte früher selbst zum Balaton.
Heute liegt er aufgrund des über Jahre gesunkenen Wasserspiegels etwas südwestlich davon und dient nicht nur als Wasserfilter des "großen Bruders", er beherbergt auch unzählige seltene Pflanzen- und Tierarten.

Der Velencer See liegt ziemlich genau zwischen Balaton und Budapest. Obwohl er mit durchschnittlich 26-28°C als wärmster See Europas gilt und über einige Badeorte verfügt, ist er eher Einheimischen ein Begriff und Rückzugsort. Was die auf Touristen hoffenden Einheimischen stört, kommt dafür der Umwelt zugute: aufgrund der Abgeschiedenheit und streckenweise auch Unzugänglichkeit des Sees konnte hier eine ganz besondere Artenvielfalt erhalten werden. Das hier angesiedelte Vogelschutzgebiet ist nur mit Sondergenehmigung passierbar.

Der Neusiedler See ist nicht nur der größte See Österreichs, er gehört auch zu den größten Seen Ungarns. Wie auch die anderen ungarischen Steppenseen ist er relativ seicht und verfügt über einen großen Schilfgürtel, der vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung bietet. Aber auch das milde, windige Klima trägt zum Artenreichtum und der Einzigartigkeit dieses Sees bei. Aus diesen Gründen fiel auch die Entscheidung der UNESCO, den Neusiedler See mitsamt des österreichischen Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel und des ungarischen Nationalparks Fert-Hanság zum UNESCO-Welterbe zu erklären.


 
Flora und Fauna

Ungarn ist ein Refugium für seltene oder geschützte Tier- und Pflanzenarten. Nicht nur in den insgesamt elf Nationalparks, die sich auf etwa 5000 km² verteilen, findet man die etwa 45.000 Tier- und 2.200 heimischen Pflanzenarten. Die meisten von ihnen sind mitteleuropäische Arten, einige wenige stammen aber auch aus nord-, ost- und südeuropäischen Ländern.

Zu den dauerhaft in Ungarn lebenden geschützten Tierarten zählen beispielsweise Stelzenläufer oder Trappe, zu den seltenen Blumenarten gehören etwa der mediterrane Nieswurz, die wilde Pfingstrose oder die ungarische Windblume.
Aufgrund seines großen Artenreichtums zieht Ungarn neben den typischen Badeurlaubern und Städtetouristen in den letzten Jahren auch immer mehr Aktivurlauber und Naturfreunde an. Für viele von ihnen gibt es nichts Schöneres, als im Frühling die riesigen Vogelschwärme auf ihrem Zug zu beobachten, an den fischreichen Gewässern zu angeln oder sich im Tiefland auf die Jagd nach Fasanen, Rebhühnern oder Wachteln zu begeben. Die zahlreichen Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete verfügen zudem über ein gutes Netz an Wanderwegen, so dass einem Aktivurlaub nichts mehr im Wege steht.


 
Kunst und Kultur

Was haben Ephraim Kishon, Calvin Klein, Estée Lauder, George Tabori und Béla Bartók gemein? Natürlich, sie alle sind bzw. waren sehr erfolgreiche, weltweit bekannte Menschen. Aber wussten Sie auch, dass sie alle aus Ungarn stammen?

Nicht nur politisch gesehen kann Ungarn auf ein reiches Erbe verweisen. Viele Töchter und Söhne des Landes sind oder waren erfolgreiche Filmemacher oder Schauspieler, Musiker oder Literaten, Maler oder auch Fotografen.
Schon wenn man nach Hollywood, das Synonym für weltweit erfolgreiches Kino, blickt, trifft man auf die ersten großen Stars ungarischer Herkunft: Tony Curtis und Leslie Howard, Adrian Brody und Zsa Zsa Gabor.
Übrigens: Auch Max Reinhardt, einer der Mitbegründer der Salzburger Festspiele und langjähriges Mitglied Berliner Ensembles war gebürtiger Ungar. Der wohl bekannteste ungarische Schauspieler ist aber Bela Lugosi, der an ungarischen Theatern den sinnlich-romantischen Helden gab und gleichzeitig der erste Graf Dracula der Filmgeschichte war.

Schon seit Jahrhunderten machen auch ungarische Musiker und Komponisten immer wieder auf sich aufmerksam. Zu den bekanntesten unter ihnen zählen beispielsweise der Romantiker Franz Liszt oder der durch seine Operetten unsterblich gewordene Franz Lehár. Aber auch Namen wie Imre Kálmán, Leó Weiner, Ernst von Dohnányi, Béla Bartók oder György Ligeti sind in der Welt der Musik nicht unbekannt.

Und spätestens seit der Verleihung des Literaturnobelpreises an Imre Kertész im Jahr 2002 erinnert sich die Welt auch wieder daran, dass Ungarn eine ganze Reihe bemerkenswerter Literaten und Romanciers vorgebracht hat. Den Wahl-Wiener Franz Molnár, beispielsweise, dessen Stück "Liliom" unter der Titel "Carousel" zu den meistgespielten am Broadway gehört. Oder Ephraim Kishon, den Satiriker und Journalisten, der in seinen Stücken, Geschichten oder Drehbüchern immer wieder auch Israel und den zum Teil recht absurden Alltag dort  thematisierte.

In den letzten Jahren wuchs auch wieder das internationale Interesse an Sándor Márai, dessen dichte, eindringliche Romane heutzutage schon fast kultisch verehrt werden. Zu den wichtigsten Vertretern der neuen ungarischen Literatur zählt Péter Esterházy. Der Spross der bekannten Esterházy-Dynastie ist nicht nur Mathematiker und liberaler Denker, sondern auch ein hoch geschätzter Gegenwartsautor.

Getreu dem Motto "Der Prophet im eigenen Land gilt nichts" fanden ungarische Maler lange Zeit nur im europäischen Ausland Anerkennung und Anstellungen. Erst mit Miklós Barabás, einem Portraitmaler im 19. Jahrhundert, änderte sich dieser Zustand. Lange Zeit dominierten Natur- und Historienmalerei das Schaffen der ungarischen Künstler. Seit den 1960er Jahren finden sich aber auch vermehrt internationale, abstrakte und realistische Einflüsse. Einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler der Gegenwart ist der u.a. in Deutschland lebende László Lakner. Zu den weltweit besten Fotografien zählen die Werke von André Kertész und Péter Nádas.


 
Tourismus

Schon seit Jahrhunderten ist Ungarn Ziel von Millionen Touristen. Und auch heute noch verbindet sie das Interesse an einer wunderbaren, alten Kultur einerseits und Entspannung und Erholung andererseits. Ungarn, das sind uralte Märchen und Mythen, die das Herz eines jeden Kindes und Fantasyfans höher schlagen lassen; das sind gediegene Heilbäder, die Gesundheit und Entspannung gleichermaßen dienen; das sind Land und Stadt, Puszta und Budapest, Moderne und Tradition. Warum sich also nicht wie einst Kaiserin Sisi verwöhnen lassen, das seidige Wasser des Balaton auf der Haut, den samtenen Geschmack des Rotweins auf der Zunge spüren? Ungarn, das ist auch genießen und verwöhnen, entdecken und erleben.

Romantik erwartet Sie in jedem Teil des Magyarenlandes. Einmal Prinzessin sein und in einem Schloss übernachten? Kein Problem im Staat der Burgen und Schlösser.
Auch wer die Natur und ihre Schönheiten dem Großstadttrubel vorzieht, kann sich hier in einem der vielen Nationalparks und Naturschutzgebiete dem süßen Nichtstun oder verschiedenen Sportarten wie Wandern oder Fischen widmen.
Und geschichtlich Interessierte kommen hier auf den Spuren der Magyaren ebenso auf Ihre Kosten wie Shopping-Interessierte auf den Spuren großer Designer.
Selbst Motorsportbegeisterte zieht es alljährlich zum Rennen auf den Hungaroring nahe Budapest.

Nicht nur hier spürt man das sprichwörtliche Temperament der Ungarn, wenn die besten Rennfahrer der Welt in der Königsklasse, der Formel 1, gegeneinander antreten, um den Besten zu küren.

Die verschiedenen Tourismuszentren Ungarns entsprechen den unterschiedlichsten Bedürfnissen ihrer Besucher. Und so haben Sie stets die Qual der Wahl. Nur gut, dass die ungarischen Sommer immer trocken und warm sind - so können Sie auch im nächsten Jahr getrost wiederkommen um neue Abenteuer zu erleben, neue Leidenschaften zu entdecken und neue Genüsse zu erfahren.


 

Balaton / Plattensee


Neben Budapest ist der Plattensee der Hauptanziehungspunkt für Ungarntouristen. Der Balaton, wie der See im Ungarischen heißt, ist mit einer Fläche von beinahe 600 km² der größte See Mitteleuropas. Er ist 79 km lang und 7,8 km breit. An seinen Stränden finden sich Campingplätze und einfache Ferienwohnungen ebenso wie gastfreundlich geführte Pensionen, Mittelklassehotels oder luxuriöse Suiten. Die Orte am so genannten "Ungarische Meer" bieten ihren Besuchern dabei nicht nur flache, familienfreundliche Strände und ein aufregendes Nachtleben, sie sind auch für mondäne Kurbauten und barocke Kirchen, Thermalbäder und Weinberge bekannt.

Ein besonderes Phänomen am Plattensee ist der plötzliche Abfall oder Anstieg des See-Wasserspiegels. Dabei verlagert der Wind große Mengen an Wasser. Die größten Schwankungen des Wasserspiegels (stellenweise bis zu 50 cm Höhenunterschied) stellen sich bei Winden in Längsrichtung des Sees ein.
Abseits des Touristentrubels hat der Balaton aber auch eine ganz andere, ruhige Seite. Hier, wenige Kilometer von den Badestränden entfernt, findet man auch noch die ursprünglichen, sumpfigen Seegebiete, die oftmals Heimat bedrohter Pflanzen- und Tierarten sind. Gerade im Balaton-Oberland Nationalpark stößt man auf unerwartet unterschiedliche Landschaftsformen wie etwa die Geysirkegel aus der Zeit des aktiven Vulkanismus, die Steinmeere des Káler-Beckens oder die Sümpfe des kleinen Plattensees. Hier findet man beispielsweise auch ein sehr gut geschütztes Vogelreservat (betreten nur mit Sondergenehmigung!) und ein Reservat für Büffel.

Zur Mandelblüte muss man nicht unbedingt nach Mallorca fliegen. Im milden Süden des Sees wachsen Mandelbäume ebenso wie Granatäpfel oder Feigen. Ein Besuch der Region zur klassischen Mandelblütenzeit (Januar-Februar) kann daher zu einem ganz besonders betörenden Urlaubserlebnis werden.

Auch Freunde des guten Essens kommen am Balaton auf Ihre Kosten: die Region ist einerseits für ihren Fischreichtum und damit verbunden natürlich auch für gute Fischgerichte bekannt. Andererseits blickt die Balaton-Region ebenfalls auf eine über 2000jährige Weinbautradition zurück. Nördlich des Sees findet man beispielsweise Furmint-Anbaugebiete, im Süden trifft man eher auf Sorten wie Chardonnay, Mädchentraube, Merlot oder Cabernet Sauvignon.

Viele, vor allem ältere, Besucher kommen aufgrund der Vielzahl an Heil- und Thermalquellen an den Plattensee. Aufgrund früherer vulkanischer Aktivitäten finden sich ungewöhnlich viele unterschiedliche Quellen mit spezifischen Mineralgehalten und Wärmegraden. Zudem gibt es hier auch Ortschaften wie beispielsweise Tapolca, die gleich über ein ganzes unterirdisches Höhlensystem verfügen. Die dortigen Heilgrotten sind sehr beliebt bei Patienten mit Atemwegserkrankungen. Aber auch wer gesund ist, lernt das Bad in heißem Quellwasser schnell schätzen. Einem angenehmen und entspannenden Aufenthalt steht nichts im Wege.


 
Dörfer Ungarns

Eine besondere Art, Land und Leute kennen zu lernen bildet der Dörfertourismus, der in Ungarn immer mehr an Bedeutung gewinnt. Gerade Familien oder Ruhe suchende Städter nehmen sich gern eine kleine Auszeit auf dem Land, um bewusst abschalten, die Natur genießen oder einer lange nicht mehr ausgeübten Sportart frönen zu können.

Die Dörfertouren Ungarns können individuell geplant oder über einen Reise- und Ausflugsveranstalter gebucht werden. Gerade wer individuell unterwegs ist, wird schnell die Gastfreundlichkeit der Landbevölkerung erfahren. Die spontane Aufforderung zur Teilnahme an Dorffesten kann Sie dabei ebenso erwarten wie eine Einladung zu einer (meist feucht-fröhlichen) Familienfeier.
Geplante Dörfertouren führen meist durch einen besonders romantischen Teil der Landschaft, manchmal aber auch in ein Heimatmuseum oder zu einer speziell für Touristen zusammengestellten Folklorevorführung.

Häufig trifft man dabei auf Trachten- und Tanzgruppen, während der gute ungarische Wein ausgeschenkt und gastronomische Spezialitäten angepriesen werden. Oftmals hat man bei einer solchen Tour auch die Gelegenheit, einer Reitervorführung beizuwohnen oder unter allerlei Kunsthandwerk nach geeigneten Mitbringseln für die Lieben zu Hause zu suchen.

Welche Form des Dörfertourismus - das individuelle Erlebnis oder der Spaß in der Gruppe - letztlich die bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der verbliebenen Landbevölkerung jedenfalls bietet er ein attraktives Zusatzeinkommen und die Möglichkeit, Traditionen und Bräuche am Leben zu erhalten. Touristen schätzen bei einem Landaufenthalt in Ungarn häufig das Gefühl von Zeitlosigkeit und Weite, das sich einstellt, obwohl sie sich doch eigentlich in der Mitte Europas und meist auch ganz in der Nähe einer größeren Stadt befinden.


 
Städte Ungarns

Ungarns wichtigste Stadt ist unbestritten seine Hauptstadt, Budapest. Daneben gibt es aber auch andere interessante Ortschaften, die zum Teil bereits seit der Steinzeit besiedelt worden sind. Zu ihnen gehören beispielsweise Györ, Sopron und Szentendre, die in diesem Abschnitt ein klein wenig näher beleuchtet werden sollen. Alle drei Städte befinden sich in einem Gebiet, das bereits vor Jahrtausenden das erste Mal von Menschen bewohnt wurde. Györ, zum Beispiel, gründete sich auf der römischen Siedlung Arrabona. Der Name dieser Siedlung verlieh ihr auch ihre deutsche Bezeichnung, Raab.

Györ liegt im Nordwesten Ungarns und nahm als Vorposten von Wien in den Türkenkriegen eine bedeutende Rolle ein. Ihrer zentralen Lage zwischen Wien, Budapest und Bratislava verdankt die Stadt heute seine Bedeutung als eine der wichtigsten Industriestandorte Ungarns.
Ihr großer Vorteil: dem etwa 130.000 Einwohner zählenden Ort sieht man nicht an, dass dort unter anderem jährlich etwa 1,8 Mio. Motoren produziert werden. Stattdessen lockt er mit seiner barocken Altstadt und der bischöflichen Burg, mit einer Thermalquelle und guter Erreichbarkeit sowohl von Wien als auch von Budapest aus.


Sopron hat eine Sonderstellung inne: das Stadtgebiet im Westen Ungarns ist umschlossen von österreichischem Staatsgebiet. Die Geburtsstadt Franz Liszts ist offiziell zweisprachig und verband Ungarn schon immer mit seinem Nachbarn Österreich. Sopron, auch Ödenburg genannt, ist übrigens eine der ältesten Städte des Landes und kann auf eine Besiedlungsgeschichte bis zu den Illyrern und Kelten zurückblicken. Unter der sehr sehenswerten Altstadt befinden sich auch heute noch Überreste einer römischen Siedlung.

Die Altstadt selbst musste im 17. Jahrhundert in weiten Teilen wieder aufgebaut werden, da ein Feuer viele Gebäude vollständig zerstört hatte. Von der eigentlich sehr langen und wechselvollen Geschichte der Stadt ist somit kaum etwas zu sehen. Die meisten der heute noch stehenden Gebäude wurden im Stil des Barock erbaut. Ganz in der Nähe von Sopron befindet sich übrigens nicht nur Wien sondern auch der Neusiedler See, der gern als Naherholungsgebiet genutzt wird.

Wie auch Budapest liegt Szentendre an der Donau, genauer gesagt in der Pannonischen Tiefebene. Bereits in der Steinzeit siedelten hier Menschen, was angesichts der guten Lage der Stadt nicht weiter verwundert. Über Jahrhunderte hinweg war die Stadt immer wieder Auffangbecken für die verschiedensten Völker und Glaubensrichtungen, was sich auch in ihrer Architektur ausdrückt. Die ehemalige Kleinstadt ist heute faktisch ein Vorort von Budapest.

Trotzdem verfügt sie über einige Besonderheiten, die sie von der übermächtigen Hauptstadt abgrenzen. Hier findet man zum Beispiel die älteste Sonnenuhr Ungarns neben dem nationalen Weinmuseum und dem Szabó-Marzipanmuseum, das für große und kleine Leckermäulchen einen besonderen Anziehungspunkt bildet. Im Freilichtmuseum Skanzen wurden für Ungarn typische Gebäude, Gebrauchsgegenstände und Brücken aus dem ganzen Land zusammengetragen, er ist ein Hort ungarisch-bäuerlicher Architektur und Lebenskunst.

Leider befinden sich diese und noch andere Städte beständig im Schatten Budapests, das nach wie vor die meisten ausländischen Touristen anzieht. Es bleibt zu hoffen, dass einige aufmerksame Besucher Ungarn nicht nur auf Budapest und den Balaton reduzieren, dass sie über den Tellerrand hinaus schauen und erkennen, wie vielfältig und oft auch überraschend das Land der Magyaren eigentlich ist.